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1. Reise auf ROS 403

Am Auslauftag meldete ich mich als "Mitnehmer" beim Chief auf ROS 403 an und wurde sofort zu den üblichen Ausrüstarbeiten eingeteilt. Mein Gepäck sollte ich erst einmal in die Maschinistenkammer stellen. Abends war das Ausrüsten beendet, die "Gesichtskontrolle" der Grenztruppen fand statt und der Lotse kam an Bord. Für die Wachhabenden war "Revierfahrt" und auch ich war beim Auslaufen noch im Maschinenraum beschäftigt. Nach der Revierfahrt fragte ich den Chief in welche Kammer ich ziehen soll. Der Chief fragte den 1. NO und es stellte sich heraus, dass keine freie Koje für mich vorhanden war. Man legte fest, dass ich in der Kammer des 1. und 2. TO auf der "Ducht" schlafen soll. Ducht war im Sprachgebrauch die gepolsterte Sitzbank an der Back (Tisch) der Kammer. Seemännisch richtig ist es aber die "Backskiste", denn Duchten sind die Bänke, die von einer Bordwand zur anderen in Booten reichen. Die Bewohner der Kammer und auch ich waren von dieser Lösung alles andere als erfreut.Den Namen des 1. TO kenne ich ich nicht mehr, aber der 2. TO war Siegfried Grunewald, der später als Chief auf ROS 317 fuhr. Da die Einquartierung nur etwa 14 Tage dauern sollte, beruhigten sich die Gemüter wieder ...Ich bekam Bettzeug und bezog den gepolsterten, mit Kunstleder bezogenen Deckel der Backskiste mit einer Wolldecke und Laken. Die Backskiste befand sich an der Backbordseite der Kammer in Längsrichtung des Schiffes. Beim Überholen (Schaukeln) des Trawlers hatte ich Mühe auf der Kiste zu bleiben und flog dann schlafend unter die Back. Wir stellten deshalb 2 Koffer hochkannt zwischen Kiste und Back und ich konnte nun besser schlafen.Als wir den Fangplatz Labrador erreicht hatten ging ich auf die Brücke und erkundigte mich wann ich mich zum Übersteigen auf ROS 208 bereit halten sollte. Der 1. NO teilte mir dann die Hiobsbotschaft mit, dass ROS 208 einen Elektriker an Bord hatte und dort kein Interesse bestand mich zusätzlich zu übernehmen. Kapitän Volker Zirzow und Chief Karl-Heinz Arlt schlugen mir nun vor auf ROS 403 zu bleiben. Da vorerst kein Schiff auf Heimreise ging, hatte ich auch keine andere Wahl. Die nächsten Ereignisse der Reise wirkten sich aber als "Entschädigung" für die unbequeme Unterbringung nur noch zu meinen Vorteil aus ...Wachdienst hatte ich vier Stunden beim 1. TO als M-Assi und 4 Stunden in der Chiefwache, in der ich auch bei E-Arbeiten dem E-Meister zugeteilt war. Nach etwa drei Wochen Fischerei fiel der Gienwindenmotor mit Erdschluß aus. Eine Reparatur des Motors war auf See nicht möglich. Wir liefen zum Motoraustausch den Hafen von Sankt Johns an und ich kam dadurch zum 2. Mal ins Ausland. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir den Austauschmotor zum Wechseln vom Fangplatz mitgenommen hatten oder ob ein Motor nach St. Lohns geliefert wurde. Der Motorwechsel wurde von zwei Monteuren einer kanadischen Firma ausgeführt. Anschließen und in Betrieb nehmen sollten wir die Winde selbst. Auf der Fahrt zum Fangplatz haben wir vor dem Anschluß der Zuleitungen am Motor vorsichtshalber die Isolationswerte der Motorwicklungen gemessen. Die I-Werte hatten Null-Mega-Ohm und der E-Meister weigerte sich wegen Gefahr eines Wicklungsschadens den Motor einzuschalten. Die I-Werte mußten erst aufgebessert werden. Mit der Unterbringug von zwei 500 Watt-Glühlamgen im Lüfterschacht des Motors versuchte der E-Meister die Wicklungen zu erwärmen. Bei Temparaturen unter Null war auch Stunden später kein Erfolg zu messen. Ich machte den Vorschlag die Wicklungen mit Gleichstrom über den Schweißumformer zu trocknen. Der E-Meister wehrte ab und wollte so etwas nicht verantworten. Morgens beim Wachkaffee fragte mich der Chief, wie man die Trocknung mit dem Umformer machen könnte. Ich erläuterte ihm, dass der Motor mit Gleichstrom nicht drehen würde und bei etwa 25 % vom Nennstrom könnte nichts passieren. Er war skeptisch, aber holte mir die techn. Unterlagen des Motors (Test). Im Test des Motors stand der Drahtquerschntt der Wicklung. Cu-Draht hatte ich zwar keinen, aber aus mehreren Messingdrähten stellte ich nun ungefähr den Wicklungsquerschnitt zusammen. Die Drähte spannte ich nun in den Schraubstock der Maschinenwerkstatt, klemmte auf die Enden die Schweißzange, schaltete den Umformer ein und regulierte den Strom auf 25 % Nennstrom ein. Nach einer halben Stunde holte ich den Chief in die Werkstatt und meinte er soll mal fühlen, wie warm die Drähte sind. Sie waren handwarm und ich hatte ihn zum Durchführen der Trocknungsaktion überzeugt.Die Trocknung des Motors war erfolgreich und wir konnten die Fischerei am Fangplatz fortsetzen. Fast 40 Jahre nach dieser Reise kann ich nun ein Geheimnis meiner Backskiste lüften. Nach dem Motto:" Man muß nicht immer alles wissen, aber man muß wissen wo etwas geschrieben steht!" Ich hatte seit meiner 2. Reise immer ein altes Fachbuch (Ausgabe 1959, siehe Foto) im Seesack dabei. Auf der nächsten Seite berichte ich von einem Ereignis, dass die Besatzung von ROS 403 "Hanno Günther" 1970 unerwartet überraschte ...

Meine 1. Reise auf einem ZubringerTrawler Februar - Mai 1970

Playliste:1. Fotos vom Fangplatz Labrador2. Fotos von Sankt Johns

Auf der nächsten Seite berichte ich von einem Ereignis, dass die Besatzung von ROS 403 "Hanno Günther" 1970 unerwartet überraschte ...









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